Mots croisés

Dreissig Prozent Gewinnbeteiligung verlangen die beiden. Und wenn das Geld eintrifft, dann wird halbe halbe geteilt. Sie spannen seit vier Jahren zusammen. Der Cafébesitzer sitzt immer am selben Tisch, er hat eine Zeitung oder eine Zeitschrift vor sich und setzt die gesuchten Begriffe ein, er ist der Erfahrenere der beiden. Sein Angestellter an der Theke hilft immer wieder mit dem iPad nach, wenn es gilt, um die Ecke zu denken und schwierige Begriffe zu finden. Besucher bringen ihre Zeitungen und Zeitschriften mit, in denen Kreuzworträtsel abgedruckt sind, die sie nicht zu Ende haben lösen können. Sie kommen mit nur solchen Rätseln, deren Lösung man einsenden und Preise gewinnen kann. Und es sind niemals leicht zu lösende Rätsel. Dafür sind die beiden Rätsellöser da. Das geht nur dann gut, wenn der Preis in Euros oder Schweizer Franken ausbezahlt wird. Früher haben die beiden auch bei Rätseln mitgeholfen, bei denen man eine Kreuzfahrt oder ein Schwein, einen Kühlschrank oder ein Rennrad gewinnen konnte. Das Ausrechnen des für die Hilfe beim Lösen eines Kreuzworträtsels geschuldeten Betrags hatte sich aber bei diesen Preisen als viel zu schwierig erwiesen. Sie sind beide Profis, keiner kann es so gut wie sie zu zweit. „Weshalb löst ihr diese Rätsel nicht selber und schickt sie ein“, wurden sie schon gefragt. Dabei wissen es die Besucher des Cafés doch genau. Würden der Patron und sein Angestellter diese Rätsel nur für sich lösen, würden die Gäste ausbleiben. Es hat sich schon längst herumgesprochen: Immer wieder landen die beiden Volltreffer, die bei der Auslosung der Preisträger auch zum Zug kommen. Und es hat sich mit der Zeit gezeigt, dass man in ihrem ‚Café de la Poste’ stets andere Gäste findet, die an Kreuzworträtseln sitzen. Vor kurzem haben sie die Leuchttafel am Eingang des Cafés ausgewechselt. ‚Mots croisés’ heisst jetzt ihr Café.

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