Klappstühle

„Nach anderthalb Stunden in einem Kunstmuseum weiss ich nicht mehr, was ich gesehen habe“. Das sagt Wilhelm. „Ich verwechsle Bilder, nur mit Mühe kann ich mich an einzelne Objekte erinnern“. Ein Japaner hat Wilhelm vor einem Jahr erzählt, wie er Museen besucht. Seither macht Wilhelm es ihm gleich: Er nimmt sich an der Garderobe des Museums einen Klappstuhl, betritt die Museumsräume, schlendert von einem Raum zum nächsten, bis er sich entscheidet. Es kann ein Bild sein oder eine Plastik, die ihm aufgefallen ist. Er stellt seinen Klappstuhl hin, setzt sich und nimmt sich Zeit. Eine Stunde Zeit für ein einziges Objekt. Es kommt vor, dass er erst nach einer Stunde nachschaut, wer das Bild gemalt oder die Plastik gestaltet hat. Er schaut sich das Bild an, findet Details, er lässt sich Zeit. Wilhelm kann nachher lange über ein Bild sprechen, er sieht Details und erinnert sich an sie. Irgendwann muss ich Wilhelms Methode auch ausprobieren.

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