Wandern

Sechzehn Kilometer pro Tag. Das ist seine mittlere Tagesleistung. Dabei geht er eigentlich nirgendwohin. In der rechten Hosentasche trägt er einen Schrittzähler, der jeden seiner Schritte zählt. Wanderschuhe braucht er nicht für seine täglichen Märsche. Und er ist bei jedem Wetter unterwegs, nur montags und dienstags nie, wenn er nicht zur Arbeit geht. Sechzehn Kilometer, wo er doch mit dem Bus zur Arbeit fährt.

Er ist Museumswächter von Beruf. Er hält sich gesund von Raum zu Raum. Er ist heute gesunder als zu jener Zeit, da er noch im Büro am Schreibtisch gesessen hatte. Ständig ist er unterwegs von einem Saal zum nächsten, von einer Epoche zur nächsten. Am Mittwoch marschiert er durch das siebzehnte Jahrhundert, am Donnerstag durch das achtzehnte, am Freitag schaut er sich im zwanzigsten Jahrhundert um. Und so wie andere nach langen Wanderungen alle Bäume kennen, kennt er alle Vitrinen, alle Bilder, kennt die Möbel und Geräte, entdeckt er jedes Stäubchen, auf das er das Putzpersonal vorwurfsvoll hinweist.

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